Lieber Vater,

meine gesundheitlichen Rückschläge haben mir sehr geholfen, mein Leben aus einer anderen Perspektive zu sehen. Ich konnte mich nach meiner Therapie und den Gesprächen mit der Psychotherapeutin endlich von den belastenden Dingen lösen und Veränderung zulassen. Nicht nur durch den Ortswechsel nach Weißenhorn, sondern auch durch den Hausverkauf konnte ich wieder Freude am Leben finden. Mit meiner psychischen Erkrankung, die durch den Tod meiner Zwillingsschwester ausgelöst wurde, habe ich gelernt umzugehen.

Ich weiß, dass du nie ein Kind wolltest und ihr damals kein Geld hattet. Ihr musstet von den Einkünften meiner Mutter leben, bis du deine Weiterbildung absolviert hattest. Ich wollte nie Geld von dir, deshalb hatte ich ja auch mein Studium abgebrochen. Wir haben uns oft gezankt und danach versöhnt. Selbst deine Frau hat immer wieder feststellen müßen, dass wir dennoch zusammenhalten. Ich habe dir nie etwas weggenommen und ich habe von dir nur das bekommen, was du nicht mehr wolltest.

Ich war sehr stolz, als du zu mir sagtest, dass die Entscheidung mit dem Hausverkauf die richtige war. Auch wenn ich dir damals sehr weh getan habe. Die finanzielle Belastung und die offene Bauweise waren für mich mit dem anhaltenden Dauerschwindel nicht tragbar. Deshalb war ich auch nicht sauer, als du mir das Erbe meiner Mutter unterschlagen und bereits einige Wochen nach ihrem Tod ihr Konto leergeräumt hast.
Ich mache deiner Frau keine Vorwürfe, dass sie dich als reichen Mann gesehen und durch dein Testament eine dauerhafte finanzielle Sicherheit für sich und ihre Kinder gesehen hat. Die Gier nach Geld und Macht ist menschlich.

Mich machen Geld und Besitz schon lange nicht mehr glücklich. Zufrieden und glücklich kann ich nur sein, wenn ich einen Partner an meiner Seite habe, dem ich in die Augen schauen kann und der mich stärkt, wenn ich schwach bin. Und diesen Lieblingsmensch habe ich 2015 gefunden!
Ich habe mich mit dir in den letzten Jahren in meinem Wohnmobil getroffen. Bei diesen Zusammenkünften hast du immer wieder davon gesprochen, dass du dich scheiden lassen willst. Deshalb haben wir dir auch Unterstützung zugesagt und ein Zimmer eingerichtet.

Beim letzten Besuch hier auf dem Hof bist du mehrfach gestolpert und hast dich verletzt. Ich habe Angst bekommen, dass es zu grösseren Verletzungen kommen könnte. Nach Rücksprache mit Freunden wurde mir klar, dass du nur noch hierherkommen kannst, wenn deine Frau, die die Vollmacht hat, diesem Besuch zustimmt und mir für diese Zeit die Verantwortung überträgt. Nur leider wusste sie anscheinend von nichts, was meinen Mann und mich sehr verärgert hat. Immer wieder kam es zu Auseinandersetzungen zwischen dir und deiner Frau. Natürlich war ich hin und wieder auch für eine Scheidung, vor allem wenn sie dich respektlos und wie ein Kleinkind behandelt hat. Ich wollte auch nicht, dass du den Rest deiner Lebenszeit solchen Streitereien ausgesetzt bist.

Dann kam plötzlich eine E-Mail mit deiner Absenderadresse, in der deine Frau eine private Chatnachricht von mir an dich zitiert. Sie wies mich an, mich nicht mehr einzumischen.
Damit ich mich nicht mehr in deine privaten Angelegenheiten einmische und natürlich auch zu meinem eigenen gesundheitlichen Schutz, habe ich auch den Support an deinem Rechner eingestellt. Bei einem Treffen im Bus hast du mir Verständnis entgegengebracht und wir sind wieder einmal einig und ohne Groll auseinander gegangen. Danke dafür.

Danach ging es dir immer schlechter und der Kontakt zu mir erfolgte nur noch heimlich. Deine Frau hat zum Schluss deine E-Mails und deine WhatsApp Nachrichten kontrolliert und mir immer wieder bösartig darauf geantwortet. Schade, dass es nie zu einem klärenden Gespräch zwischen deiner Frau und mir gekommen ist. Ich hätte gerne Stellung zu den vielen Vorwürfen genommen.
Die Beschuldigungen von deiner Frau haben mich sehr mitgenommen. Ich habe Nächte lang wach gelegen und mein Mann hatte immer wieder die Befürchtung, dass dadurch ein neuer Schub ausgelöst wird.
Das hätte alles nicht sein müssen, wenn ihr untereinander und uns gegenüber, offen und ehrlich gewesen wärt. Es ist alles sehr schlecht zwischen uns gelaufen und ich bin und werde traurig, mein Leben lang, wenn ich an diese Zeiten zurückdenke.

Deine Tochter

Nachtrag
Ich habe ungefähr ein halbes Jahr nicht gewusst, an welcher schweren Krankheit du leidest, da mich keiner informiert hat. Dein Zustand hat sich in kürzester Zeit extrem verschlechtert. Deine Frau hat endlich wieder Kontakt zu mir aufgenommen. Ich bin froh darüber, aber ich kann dir nicht mehr helfen. Es ist zu spät. Du hast ihr nicht nur ein beträchtliches Vermögen hinterlassen, von dem noch ihre Kinder zehren können, sondern auch dein Leben. Nun bist du im Pflegeheim gestorben und wirst feuerbestattet. Beides wolltest du nicht. Est tut mir weh, dass ich dir nicht helfen konnte. Du hattest nie zu mir, deinem einzigen Kind, Vertrauen.























































































@Martina Haussmann, egal was du denkst zu wissen, dass sind die Fakten aus meiner Sicht! Im Übrigen haben vor allem Eltern einen Einfluss auf die Entwicklung ihrer Kinder und nicht anders rum. Ich bin zufrieden!!!!!